ZAUBERPILZE bei uns: Die rechtliche Situation

Nach §29 (2) BtMG kann das Gericht von einer Bestrafung oder nach §31a bereits die Staatanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen, wenn dem Täter nur der Erwerb oder Besitz einer geringen Menge auschließlich zum Eigengebrauch nachgewiesen wird.
In der Rechtspraxis sind dies etwa 3 Konsumeinheiten, demnach also ca. 40 -60 mG Psilocybin oder 8-12 Gramm getrocknete Pilze mit einem Anteil von 0,5%. Nach dem Kommentar des hessischen Oberstaatanwaltes Körner läßt der §31a jedoch eine weitaus großzügigere Auslegung von (z.B. bei Speed) 20-30 Konsumeinheiten zu, dies wären analog bis zu 120 Gramm getrocknete psilocybinhaltige Pilze.
Zu beachten ist ferner der erschwerende Fall "der nicht unerheblichen Menge" (z.B. bei Cannabis mehr als 300 Konsumeinheiten) für Besitz und Handel sowie die Abgabe an Personen unter 18 Jahren (wenn der Täter über 21 Jahre alt ist), was mit Freiheitsstrafen von 1-15 Jahren geahndet wird.

{Rechtslage seit 2005:
Mit Urteil vom 25. Oktober 2006 des Bundesgerichtshofs ist der Besitz von und Handel mit psychoaktive Pilzen, unabhängig von zum Beispiel ihrem Trocknungsgrad oder dem Zweck des Besitzes (mit eng begrenzten Ausnahmen, beispielsweise zum Zweck pilzkundlicher Sammlungen), in Deutschland strafbar.

Rechtslage vom 1.2.98 bis 2005:
Psilocybinhaltige Pilze fallen als Pflanzen seit dem 1.2.1998 unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG), sofern die gesammelten oder auch gekauften Pilze zum Konsum als Droge* bestimmt sind. Strafbar sind demnach seit dem 1.2.1998 der Besitz, der Anbau, die Abgabe, der Handel sowie Ein- und Ausfuhr dieser Pilze (im frischen oder getrockneten Zustand).

Rechtslage bis zum 1.2.98:}
Bis zum 1.2.98 war der Besitz frischer, aber auch getrockneter psilocybinhaltiger Pilze nach einem Rechtsgutachten des Fankfurter Oberstaatsanwaltes Dr. Körner an den federführenden Autor dieser Schrift straffrei, obwohl diese den (bereits seit 1971) illegalen Inhaltsstoff Psylocybin aufwiesen. {Sie wurden vom BtMG nicht erfasst, da sie nicht in die Anlagen aufgenommen worden waren.}


*Bei aus der freien Natur gesammelten und danach aufbewahrten Pilzen liegt aber in der Regel dann kein Verstoß gegen das BtMG vor, wenn der tatverdächtige, eifrige Pilzsammler von der (wenn auch irrigen) Annahme ausgegangen war, daß es sich bei den aufgefundenen psilocybinhaltigen Pilzen um gewöhnliche Speise - oder Würzpilze handeln würde (die
Verwechselung mit "Rausch-"Giftpilzen ist schließlich nicht strafbar). Ebenso fallen aufgefundene, psilocybinhaltige getrocknete Pilze auch nach der neuen Rechtslage dann nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, wenn diese nachweislich nicht dem Verzehr, sondern nur etwa als Herbar-Anschauungsmaterial (z.B. bei Pilzberatungsstellen) dienen.

L Zur Gesamtausgabe des Gesetzes über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Betäubungsmittelgesetz - BtMG) im Format:  HTML, PDF

Kommentare:

  1. Soll also bedeuten, der Erwerb steht unter Strafe, wird in der Regel aber fallen gelassen. Wie z;b der Besitz von einem Tütchen Weed. Und ja, es ist so. Für 1 Gramm gibt's kein Verfahren, das lohnt nicht. Es bedeutet also wenn ich bis 12 Gramm frische, ganze Pilze hab brauch ich mir keine Sorgen zu machen? Aber bei 15 Gramm schon? Das Artikel ist ungenau und lässt viele Fragen offen.

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  2. Was ist ungenau? Der Artikel ist genauer als er eigentlich sein dürfte. Der Besitz ist strafbar; eine Grenze ab wann man sich keine Sorgen machen muss gibt es nicht. Auch in der Rechtspraxis gibt es sie nicht. Es gibt nur einen Grenzwert ab der meistens von einem Verfahren abgesehen wird. Allerdings ist dieser Grenzwert oft Ländersache. Zudem ist der Einzelfall zu betrachten. Jemand der zuvor schon beim Handel mit Cannabis erwischt worden ist sollte sich auch bei nur "einem Tütchen Weed" sorgen. Dagegen muss sich die Oma, der einer ihrer Enkel eine einzelne Cannabispflanze in den Schrebergarten gepflanzt hat, wenig sorgen machen, auch wenn die Hanfpflanze mehrere Kilo auf die Waage bringen würde.

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