ZAUBERPILZE bei uns: Drogenpolitische Forderungen

Wie repräsentative Umfragen* bei jungen Menschen 1991 ergaben, gilt zumindest für den Eigenkonsum von Drogen: Gesetzliche Verbote sind praktisch nicht dafür entscheidend (für lediglich 22,2 % der Befragten war dies von Bedeutung), ob eine Droge konsumiert wird oder nicht. Untersuchungen zeigten im Gegenteil: Verbote scheinen gerade auf junge Menschen eine sehr große Anziehungskraft auszuüben. Strafandrohungen für den Besitz illegaler Drogen zum Eigenkonsum verfehlen darum ihre Wirkung völlig. Auch ein Unrechtsbewußtsein stellt sich bei den Konsumenten nicht ein, weil dieses Verbot (ebenso nach Meinung z.B. des Lübecker Landgerichtes) eine eindeutige Einschränkung des Grundrechtes auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit darstellt. Die breite Nichtakzeptanz dieser Verbote galt schon immer für die Droge Cannabis und gilt seit einigen Jahren besonders für die Partydrogen (Ecstasy, Speed) sowie LSD; und diese Nichtakzeptanz wird für die Konsumenten erst recht gelten für einen geplanten** strafbaren Besitz von frischen oder konservierten psilocybinhaltigen Pilzen: schließlich kann man diese zu keinen ernsthaften Gesundheitsschäden führenden Pilze überall in freier Natur sammeln um sie Stunden, Tage oder Wochen später zu verzehren. Angesichts der Wirkungslosigkeit und der verfassungsmäßigen Bedenklichkeit dieser Strafrechtsbestimmung ist es deshalb nur folgerichtig, die Strafbarkeit bei Erwerb und Besitz von Drogen zum Eigenkonsum zu streichen; verbunden aber mit der Forderung nach einer umfassenden sachlichen Aufklärung der Bevölkerung über Wirkung, Nebenwirkungen, riskante Konsumpraktiken und ein mögliches Abhängigkeitspotential aller Drogen (so wie es die Grünen auch fordern). Soll der Erwerb (Ankauf) von Drogen zum Eigenkonsum straffrei ermöglicht werden, so muß dies dann logischerweise ebenso für die Drogenabgabe an die Endverbraucher gelten. Andernfalls manifestiert sich eine paradoxe Situation, wie wir sie
heute bei Cannabisprodukte vorfinden: Der Besitz und Erwerb zum Eigenkonsum ist teilweise straffrei, die zum Erwerb erforderliche Abgabe der Droge wird aber nach wie vor unnachsichtig verfolgt. Eine straffreie Abgabe von Halluzinogenen und den klassischen Partydrogen*** wäre zum Beispiel über lizensierte Stellen, wie Coffeeshop-ähnliche Einrichtungen, freie Träger oder Apotheken möglich. Diese Abgabeform hat im Unterschied zum "Straßenhandel" darüber hinaus den Vorteil, daß auf diese Weise eine kontrollierbare
Abgabe (an Personen über 18 Jahren****) von kontrollierten Drogen erreicht wird. In Bezug auf psilocybinhaltige Pilze heißt kontrolliert konkret: Die Pilzart ist exakt bestimmt und auch der Psilocybingehalt ist durch Chargenuntersuchungen genau bekannt, das Risiko einer unerwünschten Falsch- bzw.Überdosierung entfällt also. Selbstverständlich bedeutet kontrolliert auch, daß die Pilze tatsächlich nur authentisches Psilocybin etc., nicht aber hineingepanschtes LSD oder sonstwas enthalten. Coffeeshops hätten bei Konsument(inn)en von halluzinogenen Pilzen wohl die größte Akzeptanz, da diese neben einer qualifizierten Beratung auch die Umgebung für ein gutes Setting nach dem Verzehr der erworbenen Pilze bieten. Eventuell verirren sich dann auch einige jener Politiker, welche von der zwanghaften Vorstellung "Keine Macht den Drogen - alle Macht dem Alkohol" geleitet sind, nach ausgiebigem Alkohlgenuß in eine solche "Gaststätte", um sich ein Pilzgericht zu bestellen.
Die Folge einer neuen Mehrheit in den Parlamenten für eine Reform des BtMG ließe sich vielleicht absehen, hat doch Psilocybin gerade bei der Therapie von zwanghaften Vorstellungen (bzw. Zwangsneurosen) (s.v.) nicht zu unterschätzende Erfolge gezeigt...

* Umfrage von Müller Abbet; publiziert 1993 in "Zahlen und Fakten zu Alkohol und anderen Drogen" der schweizerischen Fachstelle für Alkohol und andere Drogenprobleme.
{**Mit Urteil vom 25. Oktober 2006 des Bundesgerichtshofs ist der Besitz von und Handel mit psychoaktive Pilzen, unabhängig von zum Beispiel ihrem Trocknungsgrad oder dem Zweck des Besitzes (mit eng begrenzten Ausnahmen, beispielsweise zum Zweck pilzkundlicher Sammlungen), in Deutschland strafbar.} 
*** Für Cannabis bzw. THC fordern Bündnis 90/Die Grünen den noch weitergehenden Schritt der vollständigen Legalisierung, was einem freien Handel und Verkauf (ähnlich wie für Tabak und Alkohol) gleichkommt. Für Heroin ist, sofern eine Substitution nicht möglich ist, die Abgabe über Ärzte vorgesehen, was durch eine Übernahme des Heroins von Liste I nach III des BtMG einfach zu regeln wäre.
{****Drogen bei denen  eine Beinflussung der körperlichen oder psychischen Entwicklung des Menschen vermutet wird, sollten erst ab einem Alter von 21 Jahren zugänglich sein.}

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